Grundwissen Grammatik

Kleine deutsche Schulgrammatik zum Nachschlagen und Lernen

Die indirekte Rede: Beispiele

Carl erzählt:
In den Ferien wollten wir verreisen. Die Fahrt sollte nach Italien gehen. Meine Schwester Anne sagte: "Ich fahre lieber nach England." "Was willst du denn da?", hielt ich ihr entgegen, "da wird es jeden Tag dreimal regnen." "Erzähl doch nicht so einen Mist!", meinte Anne, "letztes Jahr hat es auch in Italien viel geregnet, und außerdem waren wir schon so oft dort. Ich kann den weißen Sand nicht mehr sehen! Und willst du etwa wieder ganze Ortschaften abklappern, um ein Restaurant zu finden, in dem es Sauerkraut mit Schweinshaxen für Vater gibt?" "Hört endlich auf zu streiten", brüllte Vater vom Sofa her, "es wird nach Ungarn gefahren!" Mutter kreischte auf und sagte: "Wenn wir schon nicht nach Italien fahren, will ich in die Schweiz zum Radeln." - Wir verbrachten schließlich unsere Ferien auf dem Balkon unseres Hauses in Streitdorf.

Der Text in indirekter Rede - bitte ggf. mit der Maus über die mit Nummern versehenen Wörter fahren

Carl erzählt, in den Ferien hätten alle Familienmitglieder zusammen1 verreisen wollen2. Die Fahrt habe nach Italien gehen sollen3. Seine4 Schwester Anne habe gesagt5, sie6 fahre7 lieber nach England. Was sie6 denn da wolle8, habe er9 ihr entgegengehalten10, dort werde11 es jeden Tag dreimal regnen. Er solle12 nicht so einen Mist erzählen, habe Anne gemeint13. Letztes Jahr habe es auch in Italien viel geregnet14, und außerdem seien sie15 doch schon so oft dort gewesen16. Sie6 könne17 den weißen Sand nicht mehr sehen. Und [sie habe ihn gefragt]18, ob er19 wieder ganze Ortschaften abklappern wolle20, um ein Restaurant zu finden, in dem es Sauerkraut mit Schweinshaxen für den21 Vater gebe22. Sie sollten23 endlich aufhören zu streiten, habe24 der Vater vom Sofa her gebrüllt, es werde25 nach Ungarn gefahren. Die26 Mutter habe aufgekreischt und gesagt27, wenn sie15 schon nicht nach Italien führen28, wolle29 sie in die Schweiz zum Radeln.  – sie15 hätten30 schließlich ihre31 Ferien auf dem Balkon ihres31 Hauses in Streitdorf verbracht.

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Original:Indirekte Rede:
1 "wir""alle Fa­mi­lien­mit­gli­eder zusammen", Al­ter­na­ti­ve "seine Familie habe ... "
2 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von ha­ben + In­fi­ni­tiv von wollen* + In­fi­ni­tiv von ver­rei­sen.
3 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + In­fi­ni­tiv von sollen* + In­fi­ni­tiv von gehen.
4 "meine""seine" - Pronomen­verschiebung
5 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von sagen.
6 "Ich""sie" - Pro­no­men­ver­schie­bung
7 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von fahren.
8 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von wollen.
9 "Ich""er" - Pro­no­men­ver­schie­bung
10 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von entgegenhalten.
11 FuturFutur in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von wer­den + In­fi­ni­tiv von regnen.
12 Imperativ von erzählenKon­struk­tion mit sollen; aus im­pli­zi­tem Du wird Er, Präsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von sollen + In­fi­ni­tiv von erzählen.
13 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + In­fi­ni­tiv von meinen.
14 PerfektPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + In­fi­ni­tiv von regnen.
15 "wir""sie" - Pro­no­men­ver­schie­bung
16 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von sein + Partizip II von sein.
17 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von können.
18 EntscheidungsfrageIndirekte Ent­schei­dungs­fra­gen sollen mit Re­de­ein­lei­tung ver­se­hen wer­den.
19 "du""er" - Pro­no­men­ver­schie­bung
20 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von wollen.
21 kein Artikel"den", Vater ist bislang unbekannt.
22 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von geben.
23 Imperativ von streitenKon­struk­tion mit sollen; aus im­pli­zi­tem Ihr wird Sie, Präsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von sollen + In­fi­ni­tiv von aufhören.
24 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von brüllen.
25 Präsens PassivPräsens Passiv in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von wer­den + Partizip II von fahren.
26 kein Artikel"die", Mutter ist bislang unbekannt.
27 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von aufkreischen und sagen.
28 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von fahren, ggf. auch möglich "fahren würden".
29 PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von wollen.
30 PräteritumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von ha­ben + Partizip II von verbringen.
31 "unsere" / "unseres""ihre" / "ihres" - Pro­no­men­ver­schie­bung

* Wenn Modalverben das Prädikat mit einem Infinitiv bilden, z. B. sie soll nach Hause gehen, dann wird im Perfekt oder Plusquamperfekt nicht das Partizip II des Modalverbs gebraucht, sondern stattdessen der Infinitiv, z. B. sie hat gehen nach Hause gehen sollen. - Gegenbeispiel ohne Infinitiv: "Musstest du einen Test machen? Das musste ich nicht." → "Das habe ich nicht gemusst."


In einer Jugendgerichtsverhandlung über Ladendiebstahl führt der Staatsanwalt aus:
Udo Schneider lenkte die Verkäuferin ab, indem er sie nach irgendwelchen Preisen fragte. Paul Müller und Robert Lang stellten sich vor den Mantelständer und verdeckten so den Blick auf die Ware. Dann nahm Claus Staudinger unbemerkt eine Jacke vom Ständer und entfernte sich. Damit liegt der Tatbestand des gemeinschaftlichen Ladendiebstahls vor. Allerdings haben alle vier ihre Tat gestanden und keiner von ihnen ist bisher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Deshalb beantrage ich lediglich eine Geldbuße. Kritisch möchte ich aber auch die folgenden Fragen stellen: "Sind nur die Jugendlichen schuld oder auch ihre Eltern, die ihnen so viel Freiraum lassen? Könnte es sein, dass auch der Ladenbesitzer mitverantwortlich ist, weil er, um Kosten zu sparen, in seinem doch recht großen Laden nur eine Verkäuferin angestellt hat, so dass Jugendliche beinahe auf die Idee kommen müssen auszuprobieren, ob man nicht etwas stehlen könnte?"

Der Text in indirekter Rede - bitte ggf. mit der Maus über die mit Nummern versehenen Wörter fahren

Der Staatsanwalt führte aus, Udo Schneider habe1 die Verkäuferin abgelenkt, indem er sie nach irgendwelchen Preisen gefragt habe2 . Paul Müller und Robert Lang habe3 sich vor den Mantelständer gestellt und so den Blick auf die Ware verdeckt. Dann habe4 Claus Staudinger unbemerkt eine Jacke vom Ständer genommen und habe5 sich entfernt. Damit liege6 der Tatbestand des gemeinschaftlichen Ladendiebstahls vor. Allerdings hätten7 alle vier ihre Tat gestanden und keiner von ihnen sei8 bisher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Deshalb beantrage9 er lediglich eine Geldbuße. Kritisch möchte10 er aber auch die folgenden Fragen stellen, ob11 nur die Jugendlichen schuld seien12 oder auch ihre Eltern, die ihnen so viel Freiraum ließen,13 und ob14 es nicht sein könne,15 dass auch der Ladenbesitzer mitverantwortlich sei16 weil er, um Kosten zu sparen, in seinem doch recht großen Laden nur eine Verkäuferin angestellt habe,17 so dass Jugendliche beinahe auf die Idee kommen müssten18 auszuprobieren, ob man nicht etwas stehlen könnte.19

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Original:Indirekte Rede:
1Prä­te­ri­tumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von ablenken
2Prä­te­ri­tumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von fragen
3Prä­te­ri­tumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von ha­ben + Partizip II von stellen und verdecken
4Prä­te­ri­tumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von nehmen
5Prä­te­ri­tumPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von entfernen
6PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von vorliegen
7Per­fektPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von ha­ben + Partizip II von gestehen
8Per­fektPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von sein + Partizip II von geraten
9PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von beantragen
10Kon­junk­tiv II von "mögen" in der Bedeutung eines Indikativ PräsensBleibt in der in­di­rek­ten Rede erhalten
11Ent­schei­dungs­fra­geEnt­schei­dungs­fra­gen wer­den mit "ob" eingeleitet.
12PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3 Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv I von sein
13PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3 Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von lassen - vom Kontext her eindeutig als Kon­junk­tiv erkennbar
14Ent­schei­dungs­fra­ge, Ent­schei­dungs­fra­gen wer­den mit "ob" eingeleitet, angeschlossen mit "und" zur Einsparung eine neuen Re­de­ein­lei­tung
15PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3 Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von können + Infinitv von sein
16PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3 Per­son Singular, Kon­junk­tiv I von sein
17Per­fektPer­fekt in der in­di­rek­ten Rede, 3. Per­son Singular,.Kon­junk­tiv I von ha­ben + Partizip II von anstellen
18PräsensPräsens in der in­di­rek­ten Rede, 3 Per­son Plu­ral, Kon­junk­tiv II von müssen
19Kon­junk­tiv eines in­di­rek­ten FragesatzesBleibt in der in­di­rek­ten Rede erhalten



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