Grundwissen Grammatik

Kleine deutsche Schulgrammatik zum Nachschlagen und Lernen

Die indirekte Rede

Bei der indirekten Rede handelt es sich um wiedergegebene, berichtete Rede.
Aussagen werden häufig in den Konjunktiv gesetzt - dazu mehr weiter unten -, um die Distanz zu den Aussagen, über die man berichtet, zu signalisieren.

Zu beachten sind folgende Grundsätze:
1) Pronomen- und Adverbialverschiebung: morgenam folgenden Tag, gesternam Vortag,
hier dort. Ich / duer, sie, es, wir /ihrsie usw.:
Meine Eltern sagten: "Morgen fahren wir nach Berlin, hier in München ist es uns zu langweilig."
Udo berichtet (in Augsburg),
dass seine Eltern gesagt hätten, sie führen am nächsten Tag nach Berlin, dort in München sei es ihnen zu langweilig.

2) Fragen müssen in indirekte Fragesätze umgeformt werden:
Hans fragt: "Kommt Udo nach Berlin? Wo wollt ihr euch treffen?"

Hans fragt,
ob Udo nach Berlin komme und wo sie sich treffen wollten.
Entscheidungsfragen werden mit "ob" eingeleitet, Ergänzungsfragen bleiben erhalten, aber die Satzgliedstellung ändert sich zu der des Nebensatzes.

3) Aufforderungs- und Befehlssätze werden mit "sollen" oder "mögen" wiedergegeben:
"Komm nach Berlin und bring deine Geige mit!"

Hans fordert, Udo solle nach Berlin kommen und seine Geige mitbringen.
Hans bittet Udo,
er möge nach Berlin kommen und seine Geige mitbringen.
Alternative - erweiterter Infinitiv mit "zu": Hans bat Udo, nach Berlin zu kommen und seine Geige mitzubringen.

4) Vereinfachte Zeitenfolge:
Das Präsens bleibt erhalten. Es werden die passenden Konjunktivformen der Verben benutzt.
Er sagt, er komme etwas später. Sie sagen, sie kämen etwas später.
Das Futur bleibt erhalten: Er sagt, er werde etwas später kommen. Sie sagen, sie würden etwas später kommen.
Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt werden ausgedrückt mit den passenden Konjunktivformen von haben oder sein + Partizip II - also mit einer Art von Perfekt:
"Ich fuhr mit dem Auto und vergaß zu tanken." → Er sagte, er sei mit dem Auto gefahren und habe vergessen zu tanken.
"Ich bin mit dem Auto gefahren und habe vergessen zu tanken." → Er sagte, er sei mit dem Auto gefahren und habe vergessen zu tanken.
"Ich war mit dem Auto gefahren und hatte vergessen zu tanken"
→ Er sagte, er sei mit dem Auto gefahren und habe vergessen zu tanken.

5) Ein Irrealis / Potentialis in der direkten Rede bleibt in der indirekten Rede erhalten.
"Hätte ich doch bloß mehr für die Prüfung gelernt!" → Udo wünscht sich, er hätte mehr für die Prüfung gelernt.

6) Die Ausdrucksform der indirekten Rede ist im Prinzip der Konjunktiv.

Kurzdarstellung:
a) Im Singular werden die Konjunktiv-I-Formen der Verben verwendet, wenn sie als Konjunktive erkennbar sind, ansonsten greift man zum Konjunktiv II, wenn er als Konjunktiv erkennbar ist:
Er arbeite
Ich schreibeich schriebe.
Ich arbeite ich arbeitete ich würde arbeiten.
b) Im Plural werden die Konjunktiv- II -Formen verwendet, wenn sie als Konjunktive erkennbar sind, ansonsten umschreibt man den Konjunktiv II mit "würde":
Sie fänden
Sie schriebensie würden schreiben.
c) Sind die Konjunktiv- II -Formen, ob Singular, ob Plural, veraltet bzw. unüblich, umschreibt man ebenfalls mit "würde":
Er hälfeer würde helfen.
Sie stürben / stärben sie würden sterben.

>>>Programm zur Ermittlung der richtigen Konjunktivformen eines Verbs für die indirekte Rede

Ausführliche Darstellung:

a) Kurze Formen der Redewiedergabe arbeiten oft mit einem Konjunktionalsatz, eingeleitet mit dass oder ob:
Dass- und ob-Sätze müssen nicht (mehr) mit Konjunktivformen gebildet werden: Udo sagte, dass Hans bald kommt. Hans fragte, ob Udo bald kommt. Durch die einleitenden Konjunktionen, gilt die Distanz zum Inhalt des Satzes heute als ausreichend signalisiert - ein Konjunktiv wäre aber auch nicht falsch: Udo sagte, dass Hans bald komme.

Bei uneingeleiteten Nebensätzen und bei indirekten Fragesätzen, die mit einem Fragepronomen oder Frageadverb eingeleitet werden, sind die Konjunktivformen des Verbs jedoch obligatorisch:
Udo fragte, wann Hans denn komme und was er vorhabe.
Udo sagte, Hans komme bald.

b) Die Konjunktivformen werden vor allem bei längeren Passagen berichteter Rede verwendet.

Hauptfehler sind: Konjunktiv II statt möglichem Konjunktiv I - im Singular - besonders häufig "wäre" statt "sei" - und die Umschreibung mit "würde", wo es nicht nötig ist:
*Er sagte, er liefe noch eine Runde im Park
*Er sagte, er würde noch eine Runde im Park laufen.

Er sagte, er laufe noch eine Runde im Park.
*Sie sagten, sie würden dieses Lied nicht singen, weil sie es nicht können würden.
Sie sagten, sie sängen dieses Lied nicht, weil sie es nicht könnten.

Bildung des Konjunktivs I:
An den Präsensstamm des Verbs werden die Personalendungen -e-est-e-en-et und -en angehängt – dabei ergeben sich teilweise Formen, die mit dem Indikativ identisch sind: Ich geheich gehe.
In der 3. Person Singular ergeben sich aber stets eindeutige Formen: Er gehter gehe.
Ausnahme: Das Verb "sein", das den Konjunktiv I mit dem Stamm "sei" bildet, es bleibt in der 1. und 3. Person endungslos: Ich / Er, sie, es sei. Auch der Plural - sie seien - ist stets eindeutig.

Bildung der Konjunktivs II:
Von der 1. Person Plural des Präteritums, z. B. „wir schrieben “, wird die Stammform des Präteritums gewonnen und wieder mit den Personalendungen -e-est-e-en-et und -en versehen: ich / er, sie, es schriebe.

Starke Verben:

- Bei Verben, bei denen im Präteritum im Stamm ein a, u oder o auftritt, wird dieser Vokal umgelautet: Für die 1. und 3. Person Singular ergibt sich daher: ich / er fände.

Da es im Mittelhochdeutschen im Präteritum noch einen Vokalwechsel zwischen Singular und Plural gab – ich binde, ich bant – wir bunden – gebunden  [Mhd.] –  erklären sich die seltsam wirkenden Konjunktivformen, die gelegentlich in alten Texten auftauchen, speziell mit einem „ü“: er stärbe → er stürbe, → er hälfe → er hülfe, er fände → er fünde usw. Denn im Mittelhochdeutschen hieß es im Präteritum tatsächlich: sie sturben, wir hulfen, wir funden.
- Heute werden aber auch die selten verwendeten Konjunktiv II-Formen vieler starker Verben als ungebräuchlich empfunden, z. B. er äße, es söffe, sie büke, sie mölke, sie empföhle usw.
Statt dieser Formen werden die Umschreibungen mit „würde“ bevorzugt: er / sie würde(n) essen, saufen, backen, melken, empfehlen.
Dies gilt auch für Formen, wie zum Beispiel „sie hälfen“, „sie stärben“, – die sehr ähnlich klingen wie der Konjunktiv I bzw. wie der Indikativ Präsens, „sie helfen“, „sie sterben“.

Schwache Verben:
Die Regel zur Bildung des Konjunktivs II ergibt grundsätzlich bei den schwachen Verben, deren Stammvokal sich im Präteritum bekanntlich nicht ändert, keine eindeutigen Formen: sagen – wir sagten (Indikativ) → *sie sagten (Konjunktiv II). Auch in diesem Fall wird der Konjunktiv mit „würde“ verwendet.

Allerdings gibt es hierzu eine Ausnahmeregel, die heute aber nicht mehr streng angewendet wird: „Wenn-Sätze sind würde-los“: „Wenn es regnete, lernte ich Englisch“ statt: „*Wenn es regnen würde, lernte ich Englisch“. Das gilt sogar für uneingeleitete Konditionalsätze: Regnete es, lernte ich Englisch. Der Hintergrund ist, dass auf „Wenn“ bzw. „Falls“ in der Regel kein Präteritum folgt, deshalb wird das nach der Grundregel für den Konjunktiv II bei schwachen Verben gebildete „es regnete“ als Konjunktivform erkannt. Der Konjunktiv II im Wenn-Satz erklärt sich daraus, dass es sich um einen Irrealis bzw. Potentialis handelt.

Relativ selten wird die indirekte Rede in der ersten und zweiten Person Singular oder Plural verwendet:
Ich sagte, ich hätte keine Lust zum Verreisen und sei zu müde.
Du sagtest, du habest keine Lust zum Verreisen und seist zu müde.
Wir sagten, wir hätten keine Lust zum Verreisen und seien zu müde.
Ihr sagtet, ihr habet keine Lust zum Verreisen und seiet zu müde.

Bei den Verbformen, die in der indirekten Rede Verwendung finden, kann man sich auf die 3. Person Singular oder Plural konzentrieren. Sie machen ca. 90 % der Konjunktive der indirekten Rede aus:

 
Sin­gu­lar
Plu­ral
Verb In­di­ka­tiv, 3. Per­son Kon­junk­tiv I Kon­junk­tiv I Kon­junk­tiv II Um­schrei­bung mit "wür­de"
sein - un­re­gel­mä­ßig ist Er, sie, es sei sie sei­en    
ha­ben - un­re­gel­mä­ßig hat Er, sie, es ha­be   sie hät­ten  
wer­den - un­re­gel­mä­ßig, star­kes Verb wird Er, sie, es wer­de   sie wür­den  
ren­nen - un­re­gel­mä­ßig, schwa­ches Verb rennt Er, sie, es ren­ne sie renn­ten (!)    
ar­bei­ten - re­gel­mä­ßig, schwa­ches Verb ar­bei­tet Er, sie, es ar­bei­te     sie wür­den ar­bei­ten.

Tabellen für das schwache Verb "lernen" und die starken Verben "helfen", "backen", "singen"

Übersicht der passenden Konjunktivformen im Singular - einmal für die 3. Person, einmal für die 1. Person:

er lernt | sie hilft | es bäckt | er singtich lerne | ich helfe | ich backe | ich singe
Ist der Konjunktiv I möglich? JA / NEIN
nein - 1. Person: *ich ler­ne | *ich helfe | *ich backe | *ich singe
ja - 3. Person: er ler­ne ✔ | sie hel­fe ✔ | es backe ✔ | er sin­ge ✔
Ist der Konjunktiv II möglich? JA / NEIN
nein - 1. Person: *ich lernte ↓*ich backte
ja - 1. Person: ich hälfe  ?  ↓ ich büke  ? 
ja - 1. Person: ich sänge ✔
Klingt der Konjunktiv II veraltet oder uneindeutig? JA / NEIN
ja - 1. Person: *ich hälfe ↓ *ich büke ↓
[nein - 1 . Person: ich sänge ✔]
Umschreibung mit „würde“ - 1. Person: ich würde lernen ✔ | helfen ✔ | backen ✔

Übersicht der passenden Konjunktivformen für die 3. Person Plural

sie lernen | sie helfen | backen | sie singen
Ist der Konjunktiv I möglich? JA / NEIN
nein: *sie lernen ↓ *sie helfen ↓ *sie backen ↓*sie singen ↓
Ist der Konjunktiv II möglich? JA / NEIN
nein: *sie lernten ↓ *sie backten ↓
ja: sie hälfen  ?  ↓ sie büken  ? 
ja: sie sängen ✔
Klingt der Konjunktiv II veraltet oder uneindeutig? JA / NEIN
ja: *sie hälfen ↓ *sie büken ↓
[nein: sie sängen ✔]
Umschreibung mit „würde“: sie würden lernen ✔ | helfen ✔ | backen ✔

>>>Programm zur Ermittlung der richtigen Konjunktivformen eines Verbs für die indirekte Rede

Zusammenfassung im Hinblick auf die häufig verwendete 3. Person im Singular und im Plural:
a) Im Singular sind stets die Konjunktiv-I-Formen eindeutig und zu verwenden.
b) Im Plural sind bevorzugt die Konjunktiv-II-Formen zu gebrauchen, wenn sie sich vom Indikativ des Präteritums unterscheiden und "üblich" sind.
c) Trifft "b" nicht zu, dann wird die Umschreibung mit "würde" verwendet.
d) Für das Wort "sein" gilt: Alle Konjunktiv-I-Formen sind eindeutig und zu verwenden: ich sei, du seist, er sei, wir seien, ihr seiet, sie seien.

Beispieltext



Zusammengesetzter Satz

Satzwertige Infinitive und Partizipialkonstruktionen

Kleine Satzlehre

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