Grundwissen Grammatik

Kleine deutsche Schulgrammatik zum Nachschlagen und Lernen

Indirekter Fragesatz

Der indirekte Fragesatz tritt vor allem in der indirekten Rede auf.
In der gesprochenen Sprache wird er auch gerne benutzt, um höflicher zu wirken: Statt beim Metzger zu fragen "Haben Sie Hühnerbeine?", sagt man eher: "Ich wollte fragen, ob Sie Hühnerbeine haben." - Allerdings können beide Formulierungen missverstanden werden ;-)

Bei indirekten Fragesätzen handelt es sich stets um Nebensätze. Folglich muss bei einer Umformulierung aus einem direkten Fragesatz auch die Satzgliedstellung geändert werden: Das finite Verb steht am Schluss.

Syntaktisch sind indirekte Fragesätze entweder Attributsätze - wenn sie von einem Substantiv oder Pronominaladverb abhängen - oder Gliedsätze - wenn sie auf bestimmte verbale Formulierungen folgen:

Gliedsatz:
Der indirekte Fragesatz folgt auf Verben bzw. verbale Ausdrücke wie "fragen", "zweifeln", "überlegen", "untersuchen", " nicht verstehen", "(nicht) wissen", "wissen wollen", "gerne wissen","sich erkundigen", "sagen können" , "unsicher sein":
Sie überlegten sich, ob sie ihr trauen konnten.
Sie konnte nicht sagen, wann sie wieder nach Hause käme.

Attributsatz:
Auch manche Substantive können indirekte Fragesätze nach sie ziehen: "Die Frage ...", "die Überlegung ...", "die Entscheidung ...", "der Zweifel ...":
"Die Überlegung, was den Fehler auslösen könnte, ..."
Attributsätze entstehen auch nach Verben, die ein Präpositionalobjekt in Form eines Pronominaladverbs nach sich ziehen, wie zum Beispiel "sich erkundigen nach", "sich informieren über", "sich interessieren für":
Man erkundigte sich danach, ob ich wieder gesund sei.
Sie interessierten sich dafür, wann das Projekt abgeschlossen sein werde.

Zur Unterscheidung zwischen Konjunktional- und Relativsätzen liegen indirekte Fragesätze quer.
Indirekte Fragesätze können sowohl Konjunktional- als auch Relativsätze sein: Es hängt davon ab, auf welche Art der direkten Frage sie sich zurückführen lassen:

1. Entscheidungsfrage: "Hast du gut geschlafen?"
Sie fragte, ob er gut geschlafen habe. | Die Frage, ob er gut geschlafen habe, wollte er nicht beantworten.
Konjunktionalsatz, einmal als Akkusativobjektsatz | einmal als Attributsatz
Ein Konjunktionalsatz tritt ausschließlich beim Gebrauch der Subjunktion "ob" auf.

Ich zweifle, ob er es ehrlich meint. | Der Zweifel, ob er es ehrlich meint, bleibt bestehen.
Wir wüssten gerne, ob er es ehrlich meint.
Ich bin unsicher, ob er es ehrlich meint.
Ich überlege, ob dieses Bauteil den Fehler auslöst. | Die Überlegung, ob dieses Bauteil den Fehler auslöst, ...
Wir untersuchen, ob dieses Bauteil den Fehler auslöst. | Die Untersuchung, ob dieses Bauteil den Fehler auslöste, ist noch nicht abgeschlossen.
Wir können noch nicht sagen, ob dieses Bauteil den Fehler auslöst.

2. Ergänzungsfrage: "Wann bist du aufgestanden?"
Sie fragte, wann er aufgestanden sei. | Die Frage, wann er aufgestanden sei, wollte er nicht beantworten.
Relativsatz, einmal als Akkusativobjektsatz | einmal als Attributsatz
Beim Relativsatz, der auf eine Ergänzungsfrage zurückzuführen ist, bleibt das Frageadverb oder das Fragepronomen formal erhalten, es wird aber zu einem Relativadverb bzw. Relativpronomen.

Ich überlege, was ich als Nächstes tun sollte. | Die Überlegung, was ich als Nächstes tun sollte, ....
Ich bin mir unsicher, wann der Zug kommt.
Ich weiß nicht, wer mir noch helfen könnte. | Die Frage, wer mir noch helfen könnte, ...
Ich wüsste gerne, wen ich noch fragen kann.
Kannst du mir sagen, wie ich das Problem lösen kann? | Die Anweisung, wie das Problem zu lösen ist, hatte ich übersehen.

Rechtschreibtipp: Auf einen indirekten Fragesatz folgt normalerweise ein Punkt und kein Fragezeichen, wenn er von einem Aussagesatz abhängt. Ist der Hauptsatz jedoch selbst ein Frage- oder Befehlssatz, folgt ein Frage- oder Ausrufezeichen:
Er fragte, wo die Bumen seien.Sag mir, wo die Blumen sind! Kannst du mir sagen, wo die Blumen sind?

Überblick über Nebensätze als Gliedsätze



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Satzwertige Infinitive und Partizipialkonstruktionen

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