Grundwissen Grammatik

Kleine deutsche Schulgrammatik zum Nachschlagen und Lernen

Verb

Verben sind sogenannte Tätigkeits- bzw. Zeitwörter.

Verben verfügen über eine Satzgliedfunktion. Wenn man sie verschiebt, ändert sich allerdings die Satzart.

Viele Verben ziehen Ergänzungen1 nach sich, die in bestimmten Kasus stehen müssen. In diesem Sinne sind Verben auch fallbestimmend, regieren einen - oder mehrere - Kasus (Rektion):
Ich KAUFE [-was?-] ein Auto (Akk.O) [ -wem?-] dir (Dat.O).
Es gibt aber auch Verben, die Präpositionalobjekte nach sich ziehen. Dabei wird die Präposition vom Verb "verlangt": fragen nach, hoffen auf, zweifeln an usw.
Sie zweifelte an seinem Gesundheitszustand und fragte nach seiner Krankheitsgeschichte. Beide hofften auf eine baldige Gesundung.

Verben zählen zu den flektierbaren, nicht aber deklinierbaren Wörtern - es sei denn, sie sind substantiviert oder sie werden als Verbaladjektiv gebraucht.
Dagegen sind Verben konjugierbar.

[Konjugationstabelle: Aktiv - Passiv; die Genera Verbi - die Handlungsformen des Verbs]

Man unterscheidet einerseits zwischen starken2 und schwachen Verben - die starken ändern u.a. in den verschiedenen Zeiten ihren Stammvokal und enden im Partizip II auf "-en" - und andererseits zwischen
VOLL
-, MODAL- und HILFSverben.

Beispiel für ein schwaches Verb:
"ich arbeite, ich arbeitete, ich habe gearbeitet"

Beispiel für ein starkes Verb:
"ich finde, ich fand, ich habe gefunden"

Beispiele für Vollverben:
"arbeiten", "finden", "schreiben", "rennen"

Beispiele für Hilfsverben:
"sein", "haben", "werden"
"haben", "sein" und "werden" sind als Hilfsverben zu bezeichnen, wenn damit die zusammengesetzten Zeiten oder Aktionsformen gebildet werden: Ich bin gegangen, ich werde gehen, ich habe gegessen, ich werde essen, ich werde gelobt, ich wurde gelobt, ich bin gelobt worden, sie werden gelobt worden sein.

Beispiele für Modalverben, sie ziehen in der Regel einen Infinitiv nach sich und bilden zusammen mit ihm das Prädikat:
"sollen", "mögen", "dürfen", "müssen", "können", "wollen"
Modalverben lassen sich nicht ins Passiv setzen: Du sollst Wasser trinken*Das Wasser wird von dir trinken gesollt.

Die finiten VERBFORMEN bilden den Prädikatskern, während die infiniten VERBFORMEN bei den zusammengesetzten Tempora, dem Passiv und modalen Konstruktionen als unbestimmte Prädikatsteile auftreten.

Beispiel:
"Ich habe gegessen", "er wird essen", "du musst essen"

Ebenfalls als unbestimmte Prädikatsteile treten bei manchen Verben Verbzusätze meist am Ende eines Satzes auf: "Er kam aus dem Haus heraus." "Er ist aus dem Haus herausgekommen." Siehe auch "Verbzusatz"!

Viele Verben werden mit einer Vorsilbe gebildet.

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1 Hier wird von in einigen Grammatiken auch zwischen transitiven und intransitiven Verben unterschieden.
Als transitiv gelten Verben, die ein Akkusativobjekt nach sich ziehen, das im Falle der Passivbildung zum Subjekt wird. "Ich erwarte ihn um 16 Uhr" -> "Er wurde von mir um 16 Uhr erwartet".
Intransitiv werden Verben genannt, die kein Akkusativobjekt benötigen, unabhängig davon, dass andere Objekte bei ihnen stehen können. Sie gelten nur sehr eingeschränkt als passivfähig.
Manche intransitiven Verben können aber ein "unpersönliches Passiv" bilden: "Die Schwester half ihm bei der Arbeit." -> "Ihm wurde von der Schwester bei der Arbeit geholfen." -> "Es wurde ihm geholfen."

Im Grundsatz bilden die transitiven Verben Perfekt und Plusquamperfekt mit dem Hilfsverb "haben".
Die intransitiven Verben, die mit einer Bewegung, einer Veränderung oder einem Übergang zu tun haben, bilden oft die zusammengesetzten Zeiten mit dem Hilfsverb "sein".

2 Die starken Verben heißen auch oft "unregelmäßig". Sie sind in allen europäischen Sprachen sehr häufig. Man sollte sie stets zuerst lernen!
Die schwachen Verben heißen oft auch "regelmäßig", da ihr Stammvokal in allen Formen gleich bleibt und sie das Partizip II auf -(e)t bilden.

Oftmals sind ehemals starke Verben in die Gruppe der schwachen übergetreten, zumindest teilweise:
Früher: er bäckt , er buk, er hat gebacken, heute: er bäckt (er backt), er backte, (schwach) er hat gebacken. (stark)
Früher: er melkt ( er milkt), er molk, er hat gemolken, heute: er melkt, er melkte, er hat gemelkt. (alle Formen schwach)
Manchmal gibt es auch starke und schwache Formen nebeneinander, aber mit Bedeutungsunterschieden:
Das Bild hängt / hing / hat gehangen - an der Wand.
Er hängt / hängte / hat gehängt - das Bild an den Haken.

Die Änderung des Stammvokals bei den starken Verben wird "Ablaut" genannt und ist kennzeichnend für die starken Verben in germanischen Sprachen:
Deutsch: singen, sang, gesungen. Englisch: sing, sang, sung,
Deutsch: fallen, fiel, gefallen. Englisch: fall, fell, fallen;

Im Deutschen kommt bei manchen starken Verben im Präsens in der 2. und 3. Person Singular auch noch ein Umlaut oder ein e/i-Wechsel (Vokalhebung) hinzu:
ich falle, du fällst, er fällt …, ich trage, du trägst , er trägt …, ich stoße, du stößt, er stößt …
bzw. ich gebe, du gibst, er gibt …, ich lese, du liest, er liest …, ich erlösche, du erlischst, er erlischt,
Es gibt aber auch starke Verben, bei denen diese Umlautung unterbleibt, z. B. bei heben, nehmen, bewegen, denken usw.

Bei starken Verben, bei denen im Präteritum im Stamm ein a, u oder o auftritt, wird dieser Vokal bei der Bildung des Konjunktivs II umgelautet: Für die 1. und 3. Person Singular ergibt sich daher: ich / er fände.


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