Grundwissen Grammatik

Kleine deutsche Schulgrammatik zum Nachschlagen und Lernen

Die Genera Verbi - Aktiv und Passiv

Die Unterscheidung zwischen Aktiv und Passiv wird im Ausdruck "genus verbi", Plural "genera verbi", zusammengefasst. Andere Ausdrücke für die verschiedenen Formen im Aktiv und Passiv sind: Diathese - Handlungform des Verbs - Aktionsform des Verbs.

Das Aktiv kennzeichnet das, was das Subjekt tut, macht.
Das Passiv legt seinen Schwerpunkt auf das, was dem Subjekt widerfährt, geschieht bzw. in welchem Zustand sich das Subjekt befindet.

>>> Konjugationstabellen für Aktiv und Passiv

In vielen Grammatiken werden drei Genera Verbi unterschieden:

  1. a) Das Aktiv: Ich verletze, ich verletzte, ich habe verletzt, ich hatte verletzt, ich werde verletzen usw.
  2. b) Das Vorgangspassiv - werden-Passiv: Du wirst verletzt, du wurdest verletzt, du bist verletzt worden, du warst verletzt worden, du wirst verletzt werden usw. (Notabene: Das Hilfverb werden wird beim Vorgangspassiv im Perfekt und im Plusquamperfekt, also als Partizip II, ohne "ge-" gebraucht: geworden. - Es ist hier eben ein Hilfsverb.
  3. c) Das Zustandspassiv - sein-Passiv: sie ist verletzt, sie war verletzt, sie ist verletzt gewesen, sie war verletzt gewesen, sie wird verletzt sein usw.

Besonderheiten:

1) Wichtig: Nicht alle Verben können ein Passiv bilden!
Am ehesten ist das Passiv möglich bei Verben, die ein Akkusativobjekt nach sich ziehen, die also transitiv sind. Ich zerstöre die Burg. Die Burg wird von mir zerstört. Die Burg ist zerstört worden. Die Burg ist zerstört.
Aber auch bei intransitiven Verben lässt sich manchmal ein (unpersönliches) Passiv bilden1).

2) Ein Zustandspassiv bei intransitiven Verben ist meist nur möglich, wenn auch ein Vorgangspassiv bildbar ist. Aber nicht aus jedem möglichen Vorgangspassiv ist ein Zustandspassiv ableitbar.2)

3) Zur Abgrenzung des Zustandspassivs von einem adjektivischen Prädikativ:

Adjektivisches Prädikativ Zustandspassiv
Die Frau ist intelligent. Die Frau ist verletzt.
Der Film ist spannend. Heute ist die Burg zerstört.
Rückführung auf Vorgangspassiv:
*Die Frau ist intelligent worden. Die Frau ist verletzt worden.
*Der Film ist spannend worden. Vor 100 Jahren ist die Burg zerstört worden.

4) Dem Zustandspassiv ist der Form nach ähnlich das Zustandsreflexiv: Albert ist verliebt in Eva. Es geht aber nicht auf ein Vorgangspassiv zurück: *Albert ist in Eva verliebt worden. Vielmehr entsteht es aus: Albert verliebt(e) sich in Eva. Albert ist verliebt in Eva ist also verbalen Ursprungs und kein adjektivisches Prädikativ. Analog: Ich habe mich gestern draußen erkältet. Heute bin ich erkältet. Ein Zustandspassiv kann aber von reflexiven Verben nicht gebildet werden.

5) Rein formal sehen auch folgende Ausdrücke dem Zustandspassiv ähnlich: Die Rose ist erblüht. Die Tulpen sind verdorrt. Der Wein ist gereift. Der Drachen ist geflogen. Das Boot ist gesunken. Der Dieb ist verschwunden usw. Der Grund für diese Erscheinung ist schlichtweg, dass die Verben in den Beispielen ihr Perfekt mit "sein" bilden und nicht mit "haben." Das lässt sich unschwer erkennen, wenn man die Sätze ins Präteritum oder Präsens setzt: Die Rose erblüht. Die Tulpen verdorren. Der Wein reift. Der Drachen flog. Das Boot sank. Der Dieb verschwand.
Mit einem Zustandspassiv oder einem Zustandsreflexiv haben diese Sätze nichts zu tun.

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1) Intransitive Verben mit Vorgangspassiv:
Die Höhle wurde als Behausung genützt.
Es wird auf die Nachzügler gewartet.
An Verbesserungen wird gearbeitet
Es wird gegen den Klimawandel gekämpft.
Es wird über Luftverschmutzung diskutiert.
Auf Ergebnisse wird gewartet.
Immer schneller wurde gegangen, gelaufen, gerannt.
Für die Verpflegung der Kinder wird gesorgt.
Es wurde in der Höhle nur gekrochen.
Es wird davon ausgegangen, dass ...
Ihm wird von den Anwesenden gedankt, verziehen, vergeben.
Ihm wird von den Anwesenden geholfen.
Ihm wurde nur widerwillig gedient.

2) Intransitive Verben mit Zustandspassiv:
Damit ist ihm gedient / geholfen / genützt.
Für die Verpflegung der Kinder ist gesorgt.
Dem Übeltäter ist alles verziehen / vergeben.
Dem Wohltäter sei gedankt.


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